Gerne haette ich in den letzten Tagen Bilder hochgeladen oder einige Lebenszeichen gesendet. Leider ist das zurzeit nicht moeglich.
Ich bin jetzt seit Anfang der Woche in Pune, eine der aufstrebenden Metropolen des indischen Subkontinents. Allerorten sind hier Baustellen, die Stadt waechst und man kann ihr dabei zuschauen.
Meine Reise hierhin verlief eingermassen abenteuerlich und ich muss gestehen, dass ich sehr froh bin, doch gesund angekommen zu sein.
Nun zum substanziellen Problem meiner Kommunikation:
Ich bin nicht in Pune selber untergebracht, sondern in der NIA, der Nationalen VersicherungsAkademie. Diese liegt in Baroda, einem Vorort, der angeblich nur 12 Kilometer ausserhalb der Stadt sei. Meiner Meinung nach ist der Abstand zum Zentrum weit groesser. Jedenfalls mein substanzielles Problem ist, dass in diesem Vorort von Pune seit ungefaehr 14 Tagen das Internet ausgefallen ist. Weder diese landesweite Bildungseinrichtung hat, noch ich als deren Besucher habe Zugang zum WWW. D.h. ich bin nur telefonisch erreichbar, die Nummer ist bekannt. Ein Anruf ueber die gute alte Preistreibende Dt. Telekom kostet rund 1,5 Euro pro Minute, ein Anruf (bitte zwischen 18 und 21h cet) mit der Vorwahl 01054 dagegen kostet nur rund 4 cent pro Minute (Alternativ 010018 , 01047, 01056 , die alle ungefaehr soviel wollen. Ich kann zwar auch selber anrufen, was aber a) teurer ist und b) ds Guthaben meiner Prepaidkarte aufbraucht, welches relativ schwer wieder aufladbar ist. Um diese Nachricht zu schreiben, bin ich in das Stadtzentrum gefahren, (jede Fahrt hier ist ein Abenteuer) und sitze jetzt zusammengepfercht in einem der wenigen Internetcafes an einem hoffungslos veralteten Pentiumrechner, waehrend linkss mein Sitznachbar Counterstrike, rechts mein Sitznachbar GTA spielt und zehn Zentimeter ueber mir ein Ventilator auf voller Leistung laeuft.
Zur NIA:
Die NIA ist ein wirklich traumhaftes Fleckchen Erde, eine Oase in der umgebenden Landschaft. Am Eingang ist ein grosser Springbrunnen, ueberall sind kleine kuenstliche Teiche angelegt und zur Erholung sind neben einem Fitnessstudio auch ein Billiardraum und ein Pool vorhanden. Die Bibliothek ist Airconditiond, was eine unglaubliche Steigerung gegenueber Mumbai ist, wo ich Mittags stets schweissgebadet war. Die NIA bietet Schulungen fuer Versicherungsmanager an, d.h. nicht einfache Versicherungsangestellte, sondern fuer das mittlere Management, die in den Divisonaloffices (in einer Divison leben ca. 30 Mio. Menschen) bestimmte Geschaeftsbereiche leiten. Die Lehrenden sind zumeist erfahrene langjaehrige Versicherungsvertreter, Professor Venogupal, der mich hier hervorragend mentoriert, zum Beispiel war Ausfuehrender Manager des Lebensversicherungsunternehmens auf Landesebene. Da im oeffentlichen Dienst in Indien die Pensionsgrenze bei 58 liegt, koennen Maenner wie er nach ihrer Karriere noch einige Jahre ihr Wissen an die naechsten Generation der Fuehrungskraefte weitergeben.
Ich habe also in den letzten Tagen mit einigen hochrangigen Versicherungsmanagern zusammen gegessen und Spass gehabt, wir hatten zum Beispiel einen netten Abend mit etwas Whiskey, den einer von ihnen aufgetrieben hatte.
Insgesamt verlaeuft mein Leben in der NIA in ruhigen Bahnen: Morgens gehe ich zum Fruehstueck, wo ich jedes Mal erneueut feststelle, dass die Inder davon keine Ahnung haben, dann zwischen 10 und 11 in die Bibliothek, wo ich lange Reihen an Versicherungsstatistiken abschreibe. 14 Uhr gibt es Mittagessen, das mir viel zu scharf ist, waehrend alle anwesenden Inder es mir als mild beschreiben. Ich nehme mir dann also Reis und die Komponente, die mir am wenigsten den Rachen verbrennt. Um 16 Uhr gibt es eine kurze Teepause, danach wieder in die Bibliothek. Abends um halb 9 beende ich meine Arbeit und gehe wieder in den Esssaal, denn dan gibt es Abendessen. Beim Abendessen besteht meine grosse Ernaehrungschance etwas leckeres zu ergattern, denn: Die Haelfte der Komponenten des Buffetts sind Suessspeisen, so wie Milchreis oder eine Art Armer Ritter. Hier gibt es auch oefters Mango Lassi, von daher habe ich das schon oft getrunken. Fuer gewoehnlich mopse ich mir noch eine Banane fuer die Nacht. Dann ab 10 Uhr oder so bin ich im Zimmer, wenn ich nicht telefoniere, schaue ich fern: Das Fernsehprogramm ist hier von einem internationalem Standpunkt her, hervorragend: Neben den indischen Bollywoodprogrammen, die wirklich nicht mein Geschmack sind, gibt es BBC, HBO, NBC und einige hervorragende US-orientierte Sender. Auf ‘Star Series’ laeuft jeden Abend erst Seinfeld und dann Friends, zwei meiner absoluten Lieblingsserien. Auf ‘Star Movie’ laufen viele aktuelle Filme, gestern lief Fluch der Karibik 2, vorgestern ‘Der Untergang’ (auf Deutsch! Mit englischen Untertiteln). Auf ‘Star Sport’ laueft internationaler Sport (leider bevorzugt Cricket). Hier habe ich mir Mittwoch das Championsleaguefinale angeschaut, weshalb ich am Donnerstag etwas uebernaechtigt war.
Jeden zweiten Tag gehe ich im Pool schwimmen, ansonsten unterhalte ich mich mit den wirklich netten Indern, die hier Versicherungen verkaufen. Wenn die verdammten Muecken nicht waehren, waehre die NIA fast perfekt.
Einige Fotos, die der Schoenheit des Ortes nicht gerecht werden, finden sich auf der Homepage der NIA: www.niapune.com
Ich weiss nicht, wann ich das naechste Mal zum Kommunizieren komme, freue mich aber ueber jede Nachricht.
LG
Adrian



























































