Archiv für Juni 2008

Reisebericht

Juni 16, 2008

Hallo,

die Reise der letzten Woche war anstrengend, ereignisreich und belehrend.
Claudi hat mich darauf hingewiesen, dass ich gar nicht genau kommuniziert habe, wann ich wo war und dass ich detaillierte Infos hätte mitteilen soll.
Da hat meine Lieblingsmitbewohnerin Recht!

Also, fangen wir vor einer Woche Samstag an: Da bin ich in Pune losgefahren, mit einem Night-Sleeper-Bus. Es gibt hier zwei Arten von Nachtreisebussen: Einerseits die normalen Busse, die ankommen, bei denen man bis dahin aber kräftig durchgeschüttelt wird und diverse indische Ellbogen und Knie abkriegt. Oder es gibt die Volvo AC: Also Reisebusse eines skandinavischen Herstellers, die Klimaanlage haben. Ich hatte zum Glück diese Variante der Reise gewählt und verbrachte so die Reise bei angenehmen (geschätzten) 22 Grad auf einem 35 mal 180 cm großen Flecken. Bis Goa habe ich sogar circa 5 Stunden geschlafen. Mein Platznachbar war ein junger Inder namens Shubham: Er schnarchte nicht, schlug nicht um sich, klaute nicht und am Morgen haben wir uns nett unterhalten: Ein echter Glücksgriff.

Am Sonntagmorgen war ich also in Goa, genauer gesagt in Panjin, der Hauptstadt von Goa.
Dort habe ich mir ein Zimmer mit Satellitenfernsehen gesucht und am Abend dann Poldis herausragende Leistung gesehen. Bis Mittwoch bin ich in Goa geblieben, habe mir die Gegend angeschaut, bin ein wenig rumgefahren – diese Zeit ist schnell vergangen. Ich muss sagen: Goa ist eine Reise wert und ein wirklich angenehmer Flecken Erde. Leider muss man die Spuren der Kolonialgeschichte sehr aufmerksam suchen: Die Zeit ist nicht stehen geblieben und die alten Plätze haben eine neue Funktion.

Von Goa aus bin ich am Mittwochabend nach Bangalore gereist. Wieder per Nightsleeper Volvo AC. Diesmal habe ich mir den Luxus gegönnt zwei Plätze zu bezahlen: 600 Kilometer für 26 Euro anstatt 13 Euro. Die Nacht habe ich wirklich gut verbracht und sogar sieben Stunden geschlafen. Am Donnerstagmorgen war ich in Bangalore, nicht wie versprochen um 8, sondern um 11, nicht wie versprochen am Busbahnhof, sondern irgendwo in einer Seitenstraße ca. 1 km entfernt. Bis ich beim Busbahnhof war, mein Gepäck dort deponiert hatte, war also eine weitere Stunde vergangen. Ich bin dann ins Stadtzentrum gefahren, hab mir die großen Einkaufszonen angeschaut und war doch ein wenig enttäuscht: Ich hab dort nichts gesehen, was es nicht auch in Mumbai gibt, aber es war ein viel größeres Durcheinander. Am Nachmittag war ich noch in einer Mall, bin dann damit gescheitert einfach ein wenig die Stadt zu erkunden – eine Horde aufdringlicher Inder wollte mir etwas verkaufen – und dann zurück zum Busbahnhof, Gepäck abholen. Dann wurde es noch etwas stressig: Statt vom erwarteten Flughafen startete mein Flug circa 40 Kilometer außerhalb Bangalores. Knapp und nur mit Unterstützung eines engagierten Rikshafahrer, der eine Stunde durchge“rast“ (sofern man das mit einer Autoriksha kann) ist, habe ich den Flug erreicht. Ich war glücklich, der Rikshafahrer auch (er hat eine für Indien fürstliche Entlohnung in Höhe von circa 8,50 Euro erhalten). Dann per Flugzeug von Bangalore nach Kochi im Süden Indiens.

Donnerstagabend also Ankunft in Kochi, nach einer langen Taxifahrt ins Zentrum (Warum zwar Flughäfen internationalen Ausmasses in Indien errichtet werden, diese aber nicht an die Zentren verkehrstechnisch angebunden werden, ist mir rätselhaft. Alle Flughäfen in Indien, die ich bisher erlebt hab, Mumbai, Bangalore, Kochi, genügen zwar internationalen Standards, verfügen aber nicht über eine Bahn- oder sonstige ÖPV-Anbindung.) kurze Suche nach einem Hotelzimmer, Verhandlung über den Preis. 20 Minuten nach Anpfiff in Österreich schalte ich den Fernseher ein. Und das Erste was ich sehe, ist die Führung für die blöden Kroaten!
Die 36 Stunden in Kochi waren dennoch sehr schön und zu kurz. Das eigentliche Fort, wo ich war, ist eine vorgelagerte Insel vor dem Festland. Um dort hinzugelangen muss man eine Brückenmaut entrichten. Der RIESIGE Vorteil davon ist, dass es nicht so dicht besiedelt ist, die Bevölkerung noch nicht so vermischt ist und sich der Ort den alten Charme eines europäischen Handelspunkts bewahrt hat. Es gibt ein altes Judenviertel, 500 Jahre alte Kirchen und Fischer, die noch auf traditionelle Art fangen. (Davon hab ich echt tolle Fotos gemacht).

Samstagmittag ging mein Flug zurück nach Mumbai, wo ich jetzt meinen Trip ausklingen lasse. Gestern hatte mich die Kaufwut gepackt und ich bin in den größten Buchladen der Stadt: Crossword. Dort fragte ich nach Büchern über Sociology. „Sociology? You mean Astrology?“ Nach einer längeren Diskussion führte mich der Verkäufer in die Sektion „Non-fiction“, eine bescheidene Ecke des riesigen Ladens. Dort gab es ein Regal mit Büchern über Geschichte. Bestseller waren offenbar „Stalin, Lenin, Hitler – A comparision.“ (By the way „Mein Kampf“ gibts hier bei jedem Buchstand), „The Reagan World Order“ und „Alexander and the Greeks“. Nun gut: Letztlich hab ich noch einige nicht gänzlich uninteressante indische Bücher gefunden und knapp 30 Euro versenkt.

Heute trinke ich schon den ganzen Tag Cola, damit ich lange aufbleiben kann und Deutschland über Österreich siegen sehen kann – und in knapp eineinhalb Tagen geht mein Flug zurück.

LG

Back in Bombay

Juni 14, 2008
Mein Glück hatte ich etwas herausgefordert, indem ich versucht habe billig vom Bombayer Flughafen zum Carlton Hotel zu kommen. Ich hab für über eine Stunde Fahrzeit insgesamt weniger als einen Euro bezahlt. Zuerst am Flughafen habe ich eine AutoRiksha zum nächsten Bahnhaltepunkt genommen, dort einen Fahrschein 2. Klasse für 7 Rupien (10 cent) gekauft, mit dem bin ich dann eine Dreiviertelstunde mitten in die Stadt rein gefahren – in einem Waggon, der gedrängelt voll war, links, rechts, unten (aber nicht oben, da war ich) Inder – zuletzt mit dem Taxi bis vor die Tür des Carlton.
Dort habe ich jetzt ein schönes Zimmer ergattert, Satellitenfernsehen ausgehandelt. Jetzt bin ich wieder im klimatisierten Internetcafe, trinke Cola, esse Thunfischringe.

Fotogalerie Indien V

Juni 14, 2008

Kochi, 12. 6. 08-14. 6. 08

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Von Bangalore nach Kochi

Juni 13, 2008

Fast, fast, wäre ich in Bangalore gestrandet. Nur einem engagierten Rikshafahrer, der das Letzte aus den 12PS seines Hochgeschwindigkeitsofens rausquetschte und dann mit fast 40 kmh dem Flughafen von Bangalore entgegenraste, ist es zu verdanken, dass ich jetzt in Kochi bin.
Meine Reise hierhin war ein einziges Chaos, eine Ansammlung an indischer Unkoordiniertheit und asiatischer Unbequemlichkeit, aber: 20 Minuten nach Anpfiff war ich gestern Abend hier, hatte mir ein Zimmer mit Satellitenfernsehen erhandelt und sah direkt nach dem Einschalten das Eins-zu-Null der Kroaten …
Jetzt hab ich knapp 24 Stunden um mir den Ort anzuschauen, mich zu erholen und zum Flughafen zurückzukommen.
Meld mich, wenn ich mal ein bisschen Zeit hab.

Weitere Reiseplanung & Goa

Juni 11, 2008

Hallo,

grad ist eine erste Version dieser E-Mail den Weg ins ewige Datennirvana gegangen: Ein Stromausfall im Internetcafe hat ihr den Garaus bereitet. Dann hab ich mit der Ladenbesitzerin 5 Minuten gestritten ob ich ihr 10 oder 15 Rupien zahle (umgerechnet 25 cent) und bin jetzt in einem anderen Internetcafe. Der Begriff „Dienstleistung“ ist in Indien (sofern ueberhaupt vorhanden) vollkommen anders konnotiert als im Westen: Es stoert hier keinen, wenn die Kinder auf einem rumturnen, auch fuehrt man mit Begeisterung Gespraeche bei 70 Dezibel und mehr und wundert sich, warum der Kunde lieber seinen Laptop benutzen will als die vorhandenen Rechner aus der Kolonialzeit. Kurzum: Ich haette eigentlich noch viel mehr zu sagen, hatte es zum Teil auch schon, fuerchte mich jetzt aber vor dem naechsten Stromausfall.

Heute abend werde ich den Nightsleeper-Bus nach Bangalore nehmen, dort um acht Uhr morgens ankommen und um sieben Uhr abends weiter nach Kochi fliegen.
Eigentlich wollte ich nicht nach Bangalore, jenem zweiten Grossstadtloch nach Mumbai, mit mittlerweile sechs Millionen Einwohnern, dem Rueckgrat der indischen IT-Industrie. Auch auf der Landkarte waere es weit kuerzer die Kuestenlinie entlang nach Kochi zu reisen. Der indische Verkehr macht aber das fast unmoeglich: Die einzig direkte Verbindung waere die Bahn, und die braucht einen Tag. Ein Tag in einer Bummelbahn voller Inder, die an jedem Dorf haelt, wo Massen zu- und aussteigen und wo Verkaeufer ihren Tee lautstark anpreisen. Das will ich mir nicht antun. Also lieber elfeinhalb Stunden Bus, dann tagsueber Aufenthalt in irgendeiner netten Mall in Bangalore und dann morgen Abend der Flug nach Kochi. Mit etwas Glueck bin ich zur zweiten Halbzeit des Deutschland-Kroatien-Spiels in einem netten Hotelzimmer.
Dann habe ich zwei Naechte und einen Tag in Kochi, abschliessend der Flug zurueck nach Mumbai.

Vorgestern war ich in Alt Goa. Der Dschungel hat sich die einstige Hauptstadt des portugiesischen Reiches in Indien wieder zurueck geholt. Nur die Kirchen und Kathedralen stehen noch – und einige Souvenirbuden wurden mittlerweile aufgemacht. Man kann Alt Goa bequem in 2-3 Stunden besichtigen und hat nichts verpasst, eine wirklich nette Bustour neun Kilometer den Mandovi hoch.
Panjin (Neu Goa) ist dagegen ein noch lebendiger Ort: Das Flair erinnert mich ein wenig an Lugano. Hier ist die Stelle an der sich die Ufer des Mandovi so weit auseinanderbewegen, dass sie schliesslich die Uferlinie des indischen Ozeans bilden. Eine schoene Promenade gibt es, von der aus man das andere Ufer immer weiter weg sieht. Kulturell ist hier ein wenig suedamerikanische Atmosphaere: Noch rund ein Viertel der Goanesen ist katholisch und hier in Panjin ist man sehr glaeubig. In den Haeusern haengen haeufig Heiligenbilder. Diese Heiligenbilder sind eine indische Interpretation des Christentums: Eine Mischung aus christlichen Symbolen vor der Gestaltung im Stile der Hinduschreine und mit Gesichtern, die wohl am ehesten denen der Bollywoodstars erinnern.
Man sagt, Panjin haette sich in den letzten Jahren immer mehr dem restlichen Indien angeglichen. Ich kann nicht sagen ob das wahr ist, aber man gibt sich hier doch sehr eigen. Es gibt hier recht viel (Schweine-)Fleisch und auch Wein, etwas, das so wohl untypisch fuer Indien ist. Andererseits ist Panjin mit Sicherheit nicht europaeisch, sondern irgendetwas eigenes, etwas, das bis 1961 nicht zu Indien gehoert hat und vielleicht noch seinen Platz im Subkontinent finden muss.
Gelegentlich, ungefaher zwei Mal am Tag, treffe ich hier Auslaender, ueberwiegend (ich weiss nicht warum) aus Neuseeland. Ich muss gestehen, dass ich mit ihnen nicht viel anfangen kann, meist handelt es sich um irgendwelche Hippies und Aussteiger, Menschen, die mich einfach nicht interessieren. Also verbringe ich die meiste Zeit damit die Stadt zu erkunden, einige Museen zu besichtigen, herauszufinden, wo der Gouverneur seinen Sitz hat und Orte zu finden, an denen es essbare Speisen gibt. Zumindest bei Letzgenanntem mache ich einige Fortschritte, doch davon vielleicht spaeter mal mehr.

LG
Adrian

Fotogalerie Indien IV

Juni 11, 2008

Goa, 7. 6. 08-11. 6. 08

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Reisebericht

Juni 8, 2008

Mittlerweile habe ich mich nach Goa, genauer gesagt nach Panaji, der Hauptstadt von Goa, durchgeschlagen. Die letzten zweieinhalb Wochen habe ich in einer Business School in Pune verbracht, wo es wenig zu berichten gab und meine Internetmoeglichkeiten sehr eingeschraenkt waren.
Heute nacht bin ich 11 Stunden mit dem Bus gefahren und dann in aller Hergottsfruehe hier angekommen – ein wirklich sehr schoener Ort.
Panaji hat den Ort ‘Goa’ als Hauptstadt des Bundesstaats Goa abgeloest, weil hier mehr Leben ist, der Ort ist indischer und angeblich auch groesser. Mit seinen knapp 100.000 Einwohnern scheint er mir aber doch noch recht uebersichtlich zu sein nachdem ich in Mumbai (16 Mio. Einwohner) und Pune (4 Mio. Einwohner) war. Ganz einfach ist hier die Fortbewegung nicht und ich will gar nicht ins Detail gehen, aber im Grossen und Ganzen habe ich alle Wege bis jetzt heil ueberstanden, aus dem unuebersichtlichsten Grossstadtdschungel wieder zu bekannten Ecken zurueck gefunden etc. Manches, was im Westen eben selbstverstaendlich ist, fehlt hier gaenzlich (man nehme nur z.B. Strassenschilder). Meine weitere Reiseplanung sieht folgendermassen aus: Am Samstag habe ich einen Flug von Kochin nach Mumbai zurueck gebucht, am Mittwoch naechster Woche (also in zehn Tagen) geht mein Flug von Mumbai nach Deutschland zurueck. Ich habe also jetz sechs Tage Zeit bis nach Kochin zu kommen, was immerhin rund 800 Kilometer von hier entfernt liegt.
Ich bin jetzt hier in einem wirklich schicken Hotel untergekommen – keines das im Reisefuehrer empfohlen wird, aber eines, dass mir ein Doppelzimmer mit Aircondition, Bad und Fernseher fuer 15 Euro bietet. Eigentlich sind dort die Tarife etwas hoeher, aber weil jetzt Regensaison ist und ich antizyklisch reise, bin ich grade als Tourist ein echter Exot. Ansonsten war mir das Zimmer die paar Euro mehr auch gerne wert, weil ich dann heute nacht lange aufbleiben kann und Deutschlands erstes Spiel bei der EM sehen kann.
Ich werd in den naechsten Tagen mal versuchen etwas ausfuehrlicher zu schreiben – mal nicht zusammengequetscht aus einem Internetcafe an einem lahmen indischen Rechner, sondern hoffentlich von meinem Laptop aus in einem klimatisierten WirelessLanSpot.

Fotogalerie Indien III

Juni 6, 2008

NIA Pune, 20. 5.08-6.6.08

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