Hallo,
die Reise der letzten Woche war anstrengend, ereignisreich und belehrend.
Claudi hat mich darauf hingewiesen, dass ich gar nicht genau kommuniziert habe, wann ich wo war und dass ich detaillierte Infos hätte mitteilen soll.
Da hat meine Lieblingsmitbewohnerin Recht!
Also, fangen wir vor einer Woche Samstag an: Da bin ich in Pune losgefahren, mit einem Night-Sleeper-Bus. Es gibt hier zwei Arten von Nachtreisebussen: Einerseits die normalen Busse, die ankommen, bei denen man bis dahin aber kräftig durchgeschüttelt wird und diverse indische Ellbogen und Knie abkriegt. Oder es gibt die Volvo AC: Also Reisebusse eines skandinavischen Herstellers, die Klimaanlage haben. Ich hatte zum Glück diese Variante der Reise gewählt und verbrachte so die Reise bei angenehmen (geschätzten) 22 Grad auf einem 35 mal 180 cm großen Flecken. Bis Goa habe ich sogar circa 5 Stunden geschlafen. Mein Platznachbar war ein junger Inder namens Shubham: Er schnarchte nicht, schlug nicht um sich, klaute nicht und am Morgen haben wir uns nett unterhalten: Ein echter Glücksgriff.
Am Sonntagmorgen war ich also in Goa, genauer gesagt in Panjin, der Hauptstadt von Goa.
Dort habe ich mir ein Zimmer mit Satellitenfernsehen gesucht und am Abend dann Poldis herausragende Leistung gesehen. Bis Mittwoch bin ich in Goa geblieben, habe mir die Gegend angeschaut, bin ein wenig rumgefahren – diese Zeit ist schnell vergangen. Ich muss sagen: Goa ist eine Reise wert und ein wirklich angenehmer Flecken Erde. Leider muss man die Spuren der Kolonialgeschichte sehr aufmerksam suchen: Die Zeit ist nicht stehen geblieben und die alten Plätze haben eine neue Funktion.
Von Goa aus bin ich am Mittwochabend nach Bangalore gereist. Wieder per Nightsleeper Volvo AC. Diesmal habe ich mir den Luxus gegönnt zwei Plätze zu bezahlen: 600 Kilometer für 26 Euro anstatt 13 Euro. Die Nacht habe ich wirklich gut verbracht und sogar sieben Stunden geschlafen. Am Donnerstagmorgen war ich in Bangalore, nicht wie versprochen um 8, sondern um 11, nicht wie versprochen am Busbahnhof, sondern irgendwo in einer Seitenstraße ca. 1 km entfernt. Bis ich beim Busbahnhof war, mein Gepäck dort deponiert hatte, war also eine weitere Stunde vergangen. Ich bin dann ins Stadtzentrum gefahren, hab mir die großen Einkaufszonen angeschaut und war doch ein wenig enttäuscht: Ich hab dort nichts gesehen, was es nicht auch in Mumbai gibt, aber es war ein viel größeres Durcheinander. Am Nachmittag war ich noch in einer Mall, bin dann damit gescheitert einfach ein wenig die Stadt zu erkunden – eine Horde aufdringlicher Inder wollte mir etwas verkaufen – und dann zurück zum Busbahnhof, Gepäck abholen. Dann wurde es noch etwas stressig: Statt vom erwarteten Flughafen startete mein Flug circa 40 Kilometer außerhalb Bangalores. Knapp und nur mit Unterstützung eines engagierten Rikshafahrer, der eine Stunde durchge“rast“ (sofern man das mit einer Autoriksha kann) ist, habe ich den Flug erreicht. Ich war glücklich, der Rikshafahrer auch (er hat eine für Indien fürstliche Entlohnung in Höhe von circa 8,50 Euro erhalten). Dann per Flugzeug von Bangalore nach Kochi im Süden Indiens.
Donnerstagabend also Ankunft in Kochi, nach einer langen Taxifahrt ins Zentrum (Warum zwar Flughäfen internationalen Ausmasses in Indien errichtet werden, diese aber nicht an die Zentren verkehrstechnisch angebunden werden, ist mir rätselhaft. Alle Flughäfen in Indien, die ich bisher erlebt hab, Mumbai, Bangalore, Kochi, genügen zwar internationalen Standards, verfügen aber nicht über eine Bahn- oder sonstige ÖPV-Anbindung.) kurze Suche nach einem Hotelzimmer, Verhandlung über den Preis. 20 Minuten nach Anpfiff in Österreich schalte ich den Fernseher ein. Und das Erste was ich sehe, ist die Führung für die blöden Kroaten!
Die 36 Stunden in Kochi waren dennoch sehr schön und zu kurz. Das eigentliche Fort, wo ich war, ist eine vorgelagerte Insel vor dem Festland. Um dort hinzugelangen muss man eine Brückenmaut entrichten. Der RIESIGE Vorteil davon ist, dass es nicht so dicht besiedelt ist, die Bevölkerung noch nicht so vermischt ist und sich der Ort den alten Charme eines europäischen Handelspunkts bewahrt hat. Es gibt ein altes Judenviertel, 500 Jahre alte Kirchen und Fischer, die noch auf traditionelle Art fangen. (Davon hab ich echt tolle Fotos gemacht).
Samstagmittag ging mein Flug zurück nach Mumbai, wo ich jetzt meinen Trip ausklingen lasse. Gestern hatte mich die Kaufwut gepackt und ich bin in den größten Buchladen der Stadt: Crossword. Dort fragte ich nach Büchern über Sociology. „Sociology? You mean Astrology?“ Nach einer längeren Diskussion führte mich der Verkäufer in die Sektion „Non-fiction“, eine bescheidene Ecke des riesigen Ladens. Dort gab es ein Regal mit Büchern über Geschichte. Bestseller waren offenbar „Stalin, Lenin, Hitler – A comparision.“ (By the way „Mein Kampf“ gibts hier bei jedem Buchstand), „The Reagan World Order“ und „Alexander and the Greeks“. Nun gut: Letztlich hab ich noch einige nicht gänzlich uninteressante indische Bücher gefunden und knapp 30 Euro versenkt.
Heute trinke ich schon den ganzen Tag Cola, damit ich lange aufbleiben kann und Deutschland über Österreich siegen sehen kann – und in knapp eineinhalb Tagen geht mein Flug zurück.
LG


















































































































































